Fachkräftesicherung / Bildung im Strukturwandel

 

Der Begriff Fachkräftesicherung umfasst alle Maßnahmen zum Bilden, Halten und Gewinnen von Fachkräften in einer sich kontinuierlich ändernden Arbeitswelt (z.B. aufgrund einer zunehmenden Digitalisierung in der Produktion sowie eines Ausbaus im Dienstleistungssektor). Unter einer Fachkraft ist jede Person zu verstehen, die eine Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen hat. Fachkräfte sind für die professionelle Versorgung und Aufrechterhaltung von relevanter Infrastruktur und den Erhalt der Lebensqualität vor Ort essentiell.

Die Verfügbarkeit von Fachkräften wird seit vielen Jahren zu einem immer bedeutsameren Standortfaktor. Der demografische Wandel begünstigt Fachkräfteengpässe. Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind ländliche und peripher gelegene Regionen stärker vom demographischen Wandel betroffen als städtische. Ebenso sind Regionen mit einer eher klein- und mittelständischen Unternehmensstruktur stärker betroffen, da größere Unternehmen ihren Fachkräftebedarf einfacher überregional decken können.

Das Thema `Fachkräftesicherung` ist eine Querschnittsaufgabe, die verschiedene kommunale Handlungsbereiche betrifft. Das Thema  geht über die klassischen Aufgaben der kommunalen Gewerbe- und Wirtschaftsförderung hinaus und bedarf einer stärkeren Zuwendung zu den Menschen und ihren Bedürfnissen. Landkreise und kreisfreie Städte sind im Hinblick auf die Lebensverhältnisse vor Ort in einer gestalterischen Verantwortung – besonders in den Punkten, in denen Bildung und Fachkräftesicherung zusammenspielen.

 

Relevanz für Brandenburg

  • Der demografische Wandel verstärkt Fachkräfteengpässe auch in Brandenburg. Die demografischen Entwicklungen im Land Brandenburg zeigen, dass die Bevölkerung im Erwerbsalter bis 2030 im Schnitt um circa 7 Prozent zurückgehen wird. Periphere Regionen werden stärker betroffen sein als berlinnahe Landkreise.
  • Zuwanderung ist ein Weg, um die Folgen von Fachkräftemangel abzumildern. Eine ehrliche Willkommenskultur und passende Integrationsangebote auf kommunaler Ebene sind dafür essentiell.
  • Knapp zwei Drittel aller Industriebetriebe in Brandenburg sind kleine und mittelständische Unternehmen, die ihren Fachkräftebedarf vorwiegend über den regionalen Arbeitsmarkt decken. Passende Bildungs-, Ausbildungs- und Weiterbildungsangebote sind von entscheidender Wichtigkeit in diesem Zusammenhang.
  • Ein chancengerechter Zugang zu Bildung kann einem Fachkräftemangel entgegenwirken. Wie in anderen Teilen Deutschlands, so gibt es ebenso in Brandenburg Nachholbedarf bei der Gestaltung von chancengerechten Zugängen. Ein Nachsteuern kann helfen, um Facharbeiterlücken über die Erschließung aller Begabungsreserven zu schließen.
  • In der Lausitz findet ein fundamentaler Strukturwandel statt. Hier hat das Thema Fachkräftesicherung im Hinblick auf die sich wandelnden Anforderungen des regionalen Arbeitsmarktes eine besondere Bedeutung. [Mehr Informationen: Netzwerkbüro Bildung in der Lausitz]

Akteure im Land Brandenburg

Es gibt zahlreiche Akteure, die sich an unterschiedlichen Schnittstellen mit dem Thema Fachkräftesicherung beschäftigen. Überregionale sind unter anderem folgende Akteure tätig:

Praxisbeispiele für kommunale Steuerung

  • Die Netzwerke „Fachkräftesicherung Barnim-Uckermark“ sind freiwillige Zusammenschlüsse von Institutionen, kommunalen Verwaltungen sowie von Akteuren am Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Sie verstehen sich als regionale Verantwortungsgemeinschaft. Das Anliegen ist es, die gesamte Region Barnim-Uckermark für das Thema „Fachkräftesicherung“ dauerhaft zu sensibilisieren. [mehr lesen]
  • In einem Projektverbund der Hochschule Koblenz mit dem Bildungsbüro und der Agentur für Arbeit Neuwied sowie weiteren Akteuren wurden mit #MINTschnuppern und #MINT-Mentoring zwei Angebote für Frauen und Schülerinnen entwickelt, die das Interesse an MINT-Themen und perspektivisch das Angebot an weiblichem Fachpersonal in der Region erhöhen sollen.  [mehr lesen]
  • Das Kommunale Übergangsmanagement (KÜM) begleitet als Teil der Jugendberufshilfe des Landkreises Merzig-Wadern Schüler*innen beim Übergang von allgemeinbildenden Schulen in eine berufliche Ausbildung. [mehr lesen]
  • Der Bericht „Fachkräftemonitoring 2018. Eine multiperspektivische Analyse der aktuellen Situation im Landkreis Wesermarsch“ ist eine umfassende, multiperspektivische Abbildung der Fachkräftesituation vor Ort, die Bedarfslagen des Landkreises offenlegt und als Diskussions- und Argumentationsgrundlage dienen soll. [mehr lesen]

Praxisbeispiele für analog-digital vernetzte Angebote

  • Projekt „Digitale Lernallianzen“ (Nienburg/Weser): Das Bildungsbüro hat in Kooperation mit lokalen Wirtschaftsakteuren das Projekt „Digitale Lernallianzen“ auf die Beine gestellt, das Schüler*innen eine vertiefte Berufsorientierung durch die Bearbeitung von realen Aufgaben und Problemstellungen in digitaler Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen bietet. [mehr lesen]
  • Virtuelle Ausbildungsmesse des Landkreises Merzig-Wandern: Interessierte Jugendliche können sich an den virtuellen Messeständen der Aussteller über das vielfältige Angebot rund um Ausbildung, ausbildungsnahe Unterstützung sowie Studium und Freiwilliges Soziales Jahr informieren. [mehr lesen]

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Kontakt

Juliane Franz
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Tel.: 0331 – 2378 5335
Mail: juliane.franz@transferagentur-brandenburg.de